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Der Ton macht die Musik!

Impuls zum 2. Sonntag nach Trinitatis – 13.06.2021

Liebe Leser*innen!

Was halten Sie vom Gender- Stern „*“? Für manche ist das ja geradezu eine Glaubensfrage. Viele sagen: Höchste Zeit, dass wir unsere Sprache endlich aus der partiarchalischen Ecke herausholen und bitte auch die weibliche Form mitdenken und mitsprechen! Und in mancher Fernsehsendung wird heute entsprechend ordentlich „gegendert“ und mit einer kleinen Pause sozusagen das Gender-Sternchen „*“ mitgesprochen.

Andere meinen, es würde doch auch die uns schon länger vertraute Form von inklusiver Sprache reichen, die beide Formen einfach benennt: Also: „Liebe Leserinnen und Leser“ formuliert. Auf diese Weise sollte sich auch niemand übergangen fühlen.

Eine andere Form der „korrekten“ inklusiven Sprache ist es, das Gesagte in einer neutralen Form oder mit Partizipien zu verwenden: Also: „Liebe Lesende“ zu sagen. Auch das ist sicher eine denkbare Form, um zu mehr Geschlechtergerechtigkeit zu kommen.

Aber natürlich werden auch viele einwenden und sagen: „Wozu soll das gut sein! Über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hat es doch auch mit der vorrangigen maskulinen Sprache wunderbar funktioniert. Was soll der ganze Aufruhr eigentlich. Lassen wir doch einfach alles so, wie es schon immer war.

An diesem aktuellen Beispiel kann man – wie ich finde – sehr schön deutlich machen, dass der Umgang mit unserer Sprache wichtig ist! Es macht dann am Ende eben schon einen Unterschied, ob ich ein Geschlecht permanent (sprachlich) nicht beachte. Obwohl das immer wieder von der benachteiligten Seite eingeklagt wird. Denn unsere Sprache macht ja etwas mit uns. Das gilt bei der Frage, ob die weibliche Form mitgedacht, mitgesprochen oder dauerhaft ignoriert wird ebenso wie für andere sprachliche Formen.

Und da sind wir in der Kirche ja leider oft auch „Experten“ dafür, wie man es nicht machen sollte: Viele werfen uns ja vor, dass wir permanent in einem „Kirchendeutsch“ reden würden, das gar kein Mensch mehr verstehen würde. Und wenn ich mir so manche Ansprache von Pfarrer*innen anhöre, dann muss ich diesem Vorurteil leider zustimmen - und hoffe insgeheim immer, dass mich meine Zuhörenden und Lesenden besser verstehen …

Denn wir alle wissen: „Der Ton macht die Musik“ – nicht nur beim Gesang, sondern eben auch bei unserer Sprache. Jeder weiß das. Und Kommunikationswissenschaftler können uns das auch lang und breit erklären. Es macht eben einen Unterschied, ob ich bei einer berechtigten Kritik sage: „Das hast du ganz falsch gemacht! So geht das einfach nicht!“ Oder ob ich es vielleicht so formuliere: „Du hast Dir da sicher viel Mühe gegeben. Aber das Ergebnis ist leider nicht so, wie ich das erwartet habe!“ – Es liegt auf der Hand, dass die erste Form wesentlich schwerer zu akzeptieren ist, als die zweite Kritik, die weitaus freundlicher formuliert ist. Dabei sagen beide inhaltlich genau das gleiche aus. Aber: „Der Ton macht die Musik“.

Das wusste auch schon der Apostel Paulus, der mit seiner neu gegründeten Gemeinde in Korinth nicht wirklich zufrieden war. Die Gemeinde in Korinth war ein bunte, sehr lebendige Gemeinschaft. Sie kamen aus verschiedenen Schichten, sprachen wohl auch verschiedene Sprachen und gefielen sich dabei, einander zu übertreffen.

Es gab dort offenbar so etwas wie einen geistlichen Wettstreit. Die Jugend würde jetzt sagen: Es gab eine Challange: Wer von uns ist jetzt der beste Christ!? Welche Gabe ist jetzt wichtiger? Und welche Gaben des Heiligen Geistes sind die bedeutsamsten?

Offenbar stand eine Gabe bei den Korinthern ganz hoch im Kurs: Die Zungenrede! Wir können uns das in unserer Gemeinde kaum vorstellen; aber offenbar gab es dort eine Reihe von Christinnen und Christen, die plötzlich in fremden Sprachen sprechen konnten, die sie nie gelernt hatten – und die auch niemand verstand: Zungenrede eben; oder Glossolalie genannt. Da eine solche plötzliche Sprachbegabung nur von Gottes Geist selbst kommen konnte, also quasi himmlischen Ursprungs sein musste, hielten die Korinther diese Gabe für besonders hochwertig und jede und jeder strebte danach, auch in einer solchen Zungenrede sprechen, beten und singen zu können.

Paulus gibt den Korinthern nur kurz zu verstehen, dass er diese Zungenrede wohl durchaus beherrschte. Aber er ermahnt die Korinther zu Bescheidenheit und Demut: Er sagt: Strebt vor allem nach der Liebe! – So schreibt er in dem berühmten 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs ein Hoheslied auf die Liebe – das im letzten Vers darin gipfelt, dass er sagt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Unser heutiger Predigabschnitt ist die direkte Forsetzung dieses Kapitels und hier geht Paulus auf die einzelnen Gaben des Heiligen Geistes ein. Dabei gibt er der Zungenrede durchaus ihren Platz, neben prophetischer Rede, neben Erkenntnis und christlicher Lehre.

Aber – und damit komme ich auf den Anfang zurück: Paulus weist die Christen in Korinth auf zwei ganz wichtige Dinge hin: 1) Strebt nach der Liebe! – Alles in einer Gemeinde soll sich um die Liebe drehen. Die Gemeinschaft soll von Liebe bestimmt und getragen werden. Und bei allem Streben nach geistlicher Entwicklung soll doch der eine die andere bitte nicht übersehen, sie schlecht machen oder gar an den Rand drängen. Solche Dinge sind niemals von der göttlichen Liebe gedeckt. Und 2) Seht zu, dass alles, was ihr tut, dazu führt, dass die Gemeinde gestärkt, aufgebaut und zusammengehalten wird! Und dazu gehört auch eine Sprache, die jeder verstehen kann!

Insofern hat Paulus natürlich nicht „gegendert“. Aber ich denke, er hätte sich um der Liebe willen positiv mit dieser neueren Sprachvariante befasst. Zumindest hätte er sich dafür eingesetzt, dass niemand dauerhaft übergangen wird. Denn er wusste genau wie wir: „Der Ton macht die Musik!

Gebet: Liebender Gott, du bist unser gütiger Vater und so liebevoll wie eine Mutter. Genau deshalb tut es so gut, in deinen Händen geborgen zu sein. Danke, dass bei Dir Jungs und Mädchen, Männer und Frauen in gleicher Weise wichtig und wertvoll sind und von Dir in ihrer Unterschiedlichkeit wunderbar gemacht wurden. Gib uns offene Augen für die andere und den anderen, der unsere Liebe und unsere Aufmerksamkeit nötig hat und bewahre uns vor unnützen Streitigkeiten. Amen. Vater unser im Himmel …

Segen: Es segne uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Einen gesegneten 2. Sonntag nach Trinitatis wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Andreas H. Pfautsch

Weitere Andachten finden Sie in der MEDIATHEK


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