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Fühl dich wohl!

Impuls zu Misericordias domini - Hirtensonntag – 18.04.2021

Neulich auf der Tangente in Karlsruhe: Die Blicke von meiner Tochter und mir bleiben trotz des starken Verkehrs auf der dreispurigen Fahrbahn am Straßenrand hängen: Was ist da los? Tiere am Straßenrand? Beim zweiten Hinsehen ist klar: Es ist eine kleine Herde Ziegen mit einem Hirten! Mitten in der Großstadt – am Straßenrand! Parallel zur Südtangente! Denn es gab frisches Grün zu fressen – und einen Hirten, der sich um die Tiere gekümmert hat! „Fühl dich wohl! Egal, was um dich herum passiert!“, so schien mir der Blick aus dem Autofenster so sagen: „Fühl dich wohl! Denn du kannst dich darauf verlassen: Da ist einer, der sich um dich kümmert!

Das Bild vom Hirten mit seiner Herde begegnet uns ja häufig in der Bibel: Die meisten von uns können den Psalm 23 auswendig: „Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln!“, so heißt es da ja bekanntermaßen. Aber auch im Alten Testament, so z.B. im Prophetenbuch Hesekiel, im 34. Kapitel vergleicht sich Gott selbst mit einem guten Hirten – und beschwert sich durch den Mund des Propheten über die Oberen des Volkes, die ihr Volk führen wie schlechte Hirten, die ihre Herde aus den Augen verlieren, die ihre Tiere im Stich lassen, so dass jedes einzelne Tier zusehen muss, wie es klar kommt.

Die Bezüge zum hier und jetzt lassen sich unschwer herstellen: Ein Volk, das Führung braucht in diesen Tagen; die Menge an Einzelnen, die vor Krankheit und wirtschaftlichem Totalausfall zu schützen sind; Quertreiber - oder von mir aus: „Querdenker“ – die keine Lust haben, sich an die Worte und Mahnungen der Hirten zu halten, sondern lieber machen wollen, wozu sie gerade Lust und Laune haben: Sie alle gehören ja doch zusammen und wollen geführt und geleitet werden; oder sollten vielmehr geführt und geleitet werden. Da ist ein Streit darum, wer denn nun der bessere Hirte sein könnte, sicherlich wenig hilfreich. Vielmehr wird er nur die auseinander strebenden Tendenzen in der Herde weiter verstärken. Frei nach dem Motto: „Macht doch, was ihr wollt! Ich mache das auch so!

Das Hirtenbild der Bibel sieht anders aus – auch das Bild der Herde, das uns da gezeichnet wird. Ich muss in diesen Tagen oft an das Gleichnis Jesu von dem „Verlorenen Schaf“ denken, wo der gute Hirte das eine verlorene Schaf sucht und die übrigen 99 seiner Herde allein zurücklässt. Denn Sie wissen ja, der Begriff: „Pastor“ heißt ja nichts anderes als „Hirte“; und da bin auch ich, da sind auch meine Kolleginnen und Kollegen gefragt: Auch wir sollen und wollen gute Hirtinnen und Hirten sein! Aber wie soll das gehen, mitten in einer Pandemie? Wie kann ich da dem verlorenen Schaf nachlaufen; es schließlich in den Arm nehmen und mir auf dann auf die Schulter legen? – Das geht doch so gar nicht in diesen Tagen! Und ich hänge ein bisschen der Frage nach: Wenn sich der gute Hirte im Gleichnis Jesu aufmacht, um das eine, das verlorene Schaf, zu suchen – dann lässt er doch in dieser Zeit die 99 anderen Schafe allein! Er lässt sie schutz- und führungslos zurück!? Ist das wirklich verantwortungsbewusstes Handeln? Und: Muss man sich da überhaupt für ein entweder / oder entscheiden, oder gäbe es nicht auch noch galantere Möglichkeiten?

Ein guter Hirte kann wohl beides miteinander vereinen – so zeigen es uns die Bilder in der Bibel und so kennen wir das auch von Führungspersönlichkeiten heute: Die große Herde beieinander halten, sie beruhigen und ihnen das Gefühl geben: „Bei mir bist du geborgen! Fühl dich einfach wohl! Denn ich sorge für dich!“ – und andererseits wird ein guter Hirte immer auch einen Blick für die Außenseiter, Einzelgänger und Exoten in der Herde haben. Denn genau das macht ja einen guten Hirten aus, dass jeder sich darauf verlassen kann: „Bei mir bist du geborgen! Fühl dich einfach wohl! Denn ich sorge für dich!

Im Prophetenbuch Hesekiel (Hes 34,16) klingt das so: Gott spricht: „Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist!“

Hier begegnet uns Gott als guter Hirte. Als einer, dem beides gelingt: Das Verlorene suchen und finden ebenso wie den Starken und Zufriedenen hüten und bewahren! Denn beides gehört doch zu den Aufgaben einer starken Führungspersönlichkeit: Sich um die zu kümmern, denen es gut geht, die gern dabei sind und viel Verantwortung für ihren Bereich übernehmen – und natürlich auch die Sorge um die, die verloren zu gehen drohen. Gott sagt zu, sich um beide zu kümmern. Es ist also nicht die Frage: Das eine zu tun und das andere zu lassen. Es geht vielmehr um das ganze „Rundum-Sorglos-Paket“! Gott sagt uns also zu: „Bei mir bist du geborgen! Fühl dich einfach wohl! Denn ich sorge für dich!“

So ist das Bild vom „Guten Hirten“ sicher bis heute prägend – selbst für Menschen, bei denen man das so gar nicht vermutet hätte: Über den großen Theologieprofessor und Systematischen Theologen Karl Barth (1886-1968) wird folgendes erzählt: Als er gefragt wurde, ob er seinen christlichen Glauben in einer Kurzform beschreiben könne, habe er mit dem Lied geantwortet: „Weil ich Jesu Schäflein bin“. Das ist absolut bemerkenswert, wie ich finde, dass ein Mann, der die dogmatische Theologie auf 9.300 Seiten in 13 Bänden entfaltet hat, eine so schlichte Antwort geben konnte: „Weil ich Jesu Schäflein bin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich wohl weiß zu bewirten, der mich liebet, der mich kennt und bei meinem Namen nennt.“ (Henriette Maria Luise von Hayn, 1724-1782 – EG 652). Wahrscheinlich hat Karl Barth recht: Am Ende ist das einzige, was wirklich zählt, dass es jemanden gibt, der uns von Herzen liebt und uns zuruft: „Fühl dich einfach wohl!“

Wir beten:

Gott, liebender Vater und guter Hirte: Du gibst uns Schutz und Halt und sorgst für uns wie ein guter Hirte, dafür danken wir dir. Jesus, du guter Hirte, du hast nicht nur ein Auge auf die Starken, Kräftigen und Zufriedenen; nein, du schaust auch nach denen, die verletzt sind, die krank sind an Leib und Seele und die sich aus welchen Gründen auch immer verlaufen haben. Dafür danken wir dir! Heiliger Geist, du Stimme Gottes in uns, hilf, dass wir den Ruf Gottes, des guten Hirten, nicht überhören und leite uns auf guten Wegen. Amen. Vater unser ….

Segen:

So segne und behüte uns Gott, der gute Hirte, es segne uns der Sohn, der uns behütet und nach uns schaut, auch dann, wenn wir uns verlaufen sollten und es segne uns der Heilige Geist, durch den wir Gottes Nähe spüren können. Amen.      

Einen gesegneten Hirtensonntag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Andreas H. Pfautsch

Verraten und verkauft

Impuls zu Gründonnerstag / Karfreitag – 01./02.04.2021

Ist es nicht schön, wenn einer sich auf den anderen verlassen kann? Wenn da so ein blindes Verständnis da ist? Wenn ich dem anderen einfach vertrauen kann, weil ich weiß: Auf diese Person kann ich mich blind verlassen. Und was er in die Hand nimmt, dass wird dann auch was!

So dürfen wir doch wohl davon ausgehen, dass auch Jesus sich auf seine Freunde verlassen hat. Und anders herum. Jesus hatte zwölf Freunde um sich geschart, die mit ihm durch dick und dünn gehen sollten. Und was hatten diese zwölf Männer nicht alles mit Jesus erlebt! Und neben diesen 12 Männern gab es ja auch noch einige Frauen, wie wir wissen, die ebenso Jesus gefolgt waren. Aber die 12 waren eben doch der engste Kreis. Schon wegen der Symbolik – 12 Stämme Israels – 12 Jünger. Das war ja ein nach außen sichtbares Zeichen! Da durfte keiner dazu kommen – aber natürlich darf da auch keiner fehlen – sonst passt es einfach nicht mehr.

Jesus hat sich so sehr auf seine besten 12 Freunde verlassen, dass er sie paarweise aussandte – also jeweils zu zweit. Sie sollten Menschen heilen, die Botschaft vom nahenden Reich Gottes verkündigen und den Menschen im Land helfen. Und sein Vertrauen wurde nicht enttäuscht: Jesus wusste: Auf meine 12 Jünger kann ich mich voll verlassen! So wie umgekehrt jeder der 12 Männer wusste, dass Jesus immer für sie da sein würde! Noch am Sonntag war Jesus mit den Zwölfen in Jerusalem triumphal eingezogen. Was für ein Glücksgefühl. Wie auf einer Laola- Welle surfend fühlten sich die 12 Jünger dem Reich Gottes ganz nah: Bald, so dachten sie, würde Jesus die Macht an sich reißen und dann, ja dann würde es beginnen: Das Reich Gottes mit Jesus als König! Und so saßen sie gespannt und gebannt zusammen am Gründonnerstag Abend. Jesus brauchte eigentlich nur noch den Startschuss zu geben, dann würden sie schon in seinem Namen tun, was nötig wäre, um das Reich Gottes Wirklichkeit werden zu lassen. Jesus als König! Was für eine schöne Vorstellung. Jetzt saßen sie zusammen am festlich gedeckten Tisch. Alles war für das jüdische Passahfest vorbereitet: Rotes Mus, Salzwasser, bittere Kräuter, ungesäuertes Brot, Wasser und Wein, ein gebratenes Lamm; alles so, wie es der Brauch vorsah: Gemeinsam wollten sie sich an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnern – wie jedes Jahr. Denn damals, zu Moses Zeiten, hatte Gott Wunder gewirkt und das Volk Israel durfte aus der Knechtschaft in die Freiheit ziehen. Das rote Mus sollte an die Lehmziegel erinnern, die die Israeliten in Ägypten formen mussten; das Salzwasser erinnerte an die Tränen, die ihre Vorfahren als Sklaven vergossen hatten und die bitteren Kräuter erinnerten an die bitteren Zeiten der Sklaverei. Doch das Lamm erzählte von der Rettungsgeschichte: Damals schlachteten die Israeliten Lämmer und strichen mit dem Blut der Lämmer die Türpfosten ihrer Häuser rot an: Ein Zeichen dafür, dass sie von der totbringenden Kraft Gottes verschont bleiben sollten. Und das ungesäuerte Brot sollte alle daran erinnern, dass die Israeliten es eilig hatten: Gleich ging es auf die Flucht! Aus der Sklaverei hinaus in die Freiheit! Das würde so schnell kommen, dass keine Zeit mehr blieb, dass das Brot durchsäuern kann …

Das Passahfest war also ein Fest mit melancholischem Charakter: Freude über die Freiheit auf der einen Seite – und Erinnerung an schwere Zeiten auf der anderen Seite. Es war (und ist) ein Fest, bei dem sich die Familien ihrer Bindungen bewusst werden sollen – oder eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten versichert sich bei diesem Fest ihrer gemeinsamen Grundlagen. Hatte sich Jesus deshalb dieses Fest für das nun Kommende ausgesucht?

Denn jetzt kommt etwas, was wohl keiner der Jünger so vorausgesehen hatte – keiner bis vielleicht auf einen … Jesus sagt es in die Runde der eingeschworenen Zwölf – und was er sagt, das schlägt ein, wie eine Bombe: „Einer von euch wird mich heute verraten!“ – Erst Ruhe, ungläubiges Fragen, dann tuschelt jeder mit seinem Nachbarn: „Wer bitte schön, will Jesus verraten?“ – Ja mehr noch: Sie fragen einer nach dem anderen: „Herr, bin ichs?“ Wie wohl kein Zweiter hat Leonardo da Vinci dieses ungläubige Fragen der Zwölf ins Bild gesetzt: In Dreiergruppen sind alle am Diskutieren: „Kann es sein, dass einer aus ihrer eingeschworenen 12er Gruppe Jesus verraten will?“ Was ist mit dem Vertrauen zueinander? Wo ist die undichte Stelle? Wie nur kann so etwas geschehen?

Mit meinen Konfirmanden habe ich dieses merkwürdige Mahl Jahr für Jahr durchgespielt. Es bleibt unverständlich, was nun passiert: Jesus wird verraten und verkauft! Für dreißig Silberlinge (etwa so viel wie ein Monatslohn) wird ihn der Verräter Judas an die Feinde Jesu verraten. Und Jesus weiß das! Er bezeichnet den Verräter mit einem Bissen Brot. Alle wissen, dass Judas ihren Meister, Jesus, verraten wird: Aber warum tut denn keiner etwas! Keiner der übrigen 11 Jünger nimmt sich Judas „zur Brust“; niemand stellt ihn zur Rede; keiner verpasst ihm eine Abreibung. Was ist da los? Auch Jesus bleibt völlig in seiner Rolle als Gastgeber. Ja, er scheint den Tod am Kreuz geradezu vorauszusagen: „Dieses Brot ist mein Leib, der für euch gegeben wird … dieser Kelch ist der Bund in meinem Blut, der für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden …“ – Was macht Jesus da eigentlich? Warum unternimmt er nichts gegen seinen Verräter Judas, den er doch kennt und weiß, was dieser vorhat?

Die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu ist auch eine Geschichte von missbrauchtem Vertrauen und davon, wie schnell eine Gemeinschaft zerstört werden kann, wenn Verrat und Vertrauensbruch um sich greifen. Sie endet zunächst tragisch. Für Judas wird die Last seiner Schuld so schwer, dass er sich selbst das Leben nimmt. Jesus stirbt am Kreuz und die übrigen Jünger und Jüngerinnen sind verängstigt, sie schließen sich ein und haben ihre Kraft, ihr Vertrauen und ihre Hoffnung verloren. All das ist nur zu ertragen, weil wir als Christen immer schon von Ostern her auf diesen Verrat zurückschauen. Gott sei Dank bleibt es nicht bei: „verraten und verkauft“! Auch Niederlagen, Vertrauensbruch und Verlassenheit halten Gott nicht davon ab, seine Liebe zu zeigen – es wird noch Ostern werden! Vertrauen wir darauf!

Wir beten: Jesus, du wurdest verraten und verkauft. Von deinen Freunden allein gelassen starbst du am Kreuz – und nahmst unsere Schuld auf dich. Doch Verrat, Vertrauensbruch und Hoffnungslosigkeit sind nicht das Ende! Lieber Vater im Himmel: Danke, dass deine Macht nicht dort endet, wo Freundschaft, Vertrauen, ja unser Leben an ihr Ende kommen. Danke, dass deine Macht und deine Liebe größer sind als alles, was uns klein machen will. Amen. Vater unser im Himmel …

Segen: So segne und behüte uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.          

Einen gesegneten Gründonnerstag und Karfreitag wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Andreas H. Pfautsch

Weitere Andachten finden Sie in der MEDIATHEK


Aktuelle Termine


Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 22. April 2021

Die auf den HERRN sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Psalm 34,6

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Römer 12,12