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Weinberge

Impuls zum Sonntag Reminiscere – 28.02.2021

Wir leben zwischen Rhein und Reben. Weinberge sind für uns ein vertrautes Bild. Und wer in diesen Tagen hinausfährt, um die Frühlingssonnenstrahlen in den Weinbergen zu genießen oder vielleicht auch die Mandelblüte zu erleben, der wird die Schönheit dieser paradiesischen Gartenlandschaft in sich aufnehmen und zu schätzen wissen.

Und ich kann mich daran erinnern, als ich das erste Mal durch das schier endlose Meer an Reben und Weinstöcken gefahren bin, in das die Dörfer und kleinen Städte wie kleine wunderbare Perlen eingewoben zu sein scheinen, da dachte ich mir: Hier kann man es gut aushalten! Das ist eine solche Schönheit und Pracht. Da fehlt nicht viel zum Garten Eden! Üppigkeit und verschiedene Grüntöne soweit das Auge reicht.

Ein Weinbergbesitzer schaut freilich ganz anders auf seinen Weinberg: Vieles muss da zusammenkommen, damit im Herbst gute, reife und saftige Früchte geerntet werden können. Und bis heute ist trotz der guten und modernen Technik ja noch ganz viel Handarbeit zu verrichten, damit jetzt im Frühjahr wieder die Knospen sprießen, die Reben ranken und sich schließlich die Blüten öffnen, um dann gute Früchte hervorzubringen. Da hat der Winzer das ganze Jahr gut zu tun: Die Reben sind zu beschneiden; ein einzelner Trieb ist gut am Drahtgeflecht zu befestigen; der Boden muss gepflügt und gedüngt werden; auf ausreichende Wasserzufuhr muss geachtet werden usw. usf. Bis heute ist dies eine mühselige Arbeit, ehe eine reiche Ernte eingefahren werden kann.

So ein Weinberg und so ein Weinbergbesitzer begegnen uns auch schon in der Bibel. In einem alten Lied im Prophetenbuch Jesaja vergleicht Gott sich selbst mit einem weisen und fleißigen Weinbergbesitzer, der alles tut, damit es seinem Weinberg gut geht: Er baut eine Mauer rings um seinen Weinberg, um ihn zu schützen; er gräbt den Boden um; räumt störende Steine aus dem Weg und besorgt die besten Weinstöcke für seinen Weinberg. Er baut auch einen Wachturm in die Mitte und baut auch eine Kelter, damit er im Herbst die Trauben gleich vor Ort auspressen kann. Er gräbt den Boden um und tut alles, was nur ein Weinbergbesitzer tun kann, damit er gute Früchte erzielen kann.

Allein: Trotz all seiner guten und richtigen Bemühungen bleibt der gewünschte Ertrag aus: Und Gott, der Weinbergbesitzer, beklagt sich bitter über die ausbleibenden Früchte. Hatte er doch so viel Mühe und so viel Arbeit da hineingesteckt. Am Ende ist er so erbost darüber, dass sein Weinberg keine Früchte bringt, dass er ihn lieber gleich selbst vernichten will: Die Mauer will er einreißen; die Weinstöcke verbrennen; ja selbst die Wolken sollen den Regen zurückhalten, damit auch ja nichts mehr wachsen kann. (Diese Geschichte ist in Jesaja 5,1-6 nachzulesen!)

Am Ende deutet der Prophet das Bild vom Weinberg und sagt: „Wer ist dieser Weinberg? Der Weinberg des Herrn Zebaoth, das sind die Bewohner von Israel. Die Leute von Juda sind sein Lieblingsgarten. Der Herr wartete auf Rechtsspruch, doch seht her: Da war Rechtsbruch. Er wartete auf Gerechtigkeit, doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.“ (Jesaja 5,7).

Es ist wie eine nicht erwiderte Liebesbotschaft Gottes: Alles habe ich getan, damit mein Volk mir folgt. Auf gute Früchte habe ich gehofft – aber es gab nur schlechte. Auf Rechtsspruch habe ich gehofft – aber da war nur Rechtsbruch; auf Gerechtigkeit habe ich gehofft – doch da waren nur die Schreie derer, die unter Ungerechtigkeit litten. Am Ende ist das ein sehr trauriges Bild, das der Prophet da zeichnet: Es hört sich an wie ein Scheidebrief; wie eine anschauliche Geschichte für das Ende einer Liebesbeziehung, bei der die Liebe des einen so einseitig bleibt, dass er sich traurig und ärgerlich zurückzieht.

Gott sei Dank ist Gott nicht so nachtragend geblieben, wie es hier aussieht. Gott sei Dank hat er seinen Zorn und seinen Ärger über sein Volk überwunden. Denn mit Jesus schickt er seinen eigenen Sohn dann doch wieder in seinen geliebten Weinberg. Er lässt Jesus gute und wertvolle Arbeit im Weinberg des Herrn verrichten. Viele Menschen können geheilt und mit Gott versöhnt werden. Lahme können gehen; Blinde sehen und den Armen wird das Evangelium verkündet. All das ist so sehr im Sinne Gottes, des Weinbergbesitzers, dass auch seine Gegner nicht ausbleiben. Doch auch wenn Jesus am Ende leiden und sterben muss, so bleibt sein Wirken eben nicht folgenlos: Nach Jesu Auferstehung folgen ihm viele gute Weingärtner nach, die alles daransetzen, dass der Weinberg des Herrn gute Früchte bringt.

Das ist nicht immer nur von Erfolg gekrönt. Und doch: Der Weinberg des Herrn bringt bis heute gute und reiche Früchte hervor. Und er wächst: Längst schon hat er die Ursprünge im Heiligen Land verlassen und hat sich über die ganze Welt verteilt. Immer wieder gibt es auch Arbeiter im Weinberg, die keine so gute Arbeit verrichten. Aber Gott sei Dank sind auch immer wieder Arbeiter und Arbeiterinnen am Werk, die ihren Job richtig gut machen, damit die Früchte der Gerechtigkeit und des Rechts wachsen, gedeihen und überquellen. Denn Gott hat sein Personal noch nicht aufgeben! Der Schlüssel dazu ist Jesus selbst, der von sich sagt: „Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben: Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht!“ Bleiben wir an Jesu Seite, in seiner Liebe und in seinem Sinne unterwegs. Und beim nächsten Besuch in den Weinbergen können wir uns daran erinnern: Gottes Weinberg, das sind wir! Bringen wir gute Früchte des Segens hervor!

Gebet: Ewiger Gott, ich danke dir, dass du uns Menschen so liebst. Mit all deiner Kraft, mit all deiner Liebe und mit allem, was du uns schenkst, willst du uns auf den rechten, gerechten und segensreichen Weg bringen. Alles, was wir zum Leben brauchen, schenkst du uns. Doch oft machen wir zu wenig daraus. Dank dir, Jesus Christus, dürfen wir direkt mit unserem himmlischen Vater in Verbindung treten. Hilf, dass wir in deinem Sinn und aus deiner Kraft leben und deinen Weg und deinen Segen in die Welt tragen. Hilf, dass wir gute Arbeiter in deinem wunderbaren Weinberg sind. Amen. Vater unser im Himmel …

Segen: So segne und behüte uns der dreieinige Gott, der gütige Vater, der uns liebt, der versöhnende Sohn, der uns Gottes Vaterliebe so nah gebracht hat und der Heilige Geist, der immer wieder neu, Gottes Liebe in unsere Herzen gießt. Amen.

Einen gesegneten Sonntag Reminiscere wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Andreas H. Pfautsch

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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Dienstag, 2. März 2021

Lehre mich rechtes Urteil und Erkenntnis, denn ich vertraue deinen Geboten. Psalm 119,66

Wer ist weise und klug unter euch? Der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit. Jakobus 3,13