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Wasser des Lebens.

Impuls zum 16.05.2021

Exaudi! So heißt der Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Ex und Audi! Geht es da um ein verflossenes Auto – um den alten Audi, den irgendjemand mal hatte? Oder was? Nein, natürlich nicht! Wobei – die Automarke „Audi“ hat ja den gleichen lateinischen Wortstamm und ist eine Übersetzung des schönen alten deutschen Imperativs von „hören“ – „Horch“! Denn hinter den vier Ringen im Markenzeichen von „Audi“ verbergen sich ja vier ehemals eigenständige Automarken – und eine davon hieß: „Horch“. Also doch so etwas mit „Ex“ und „Audi“ – eine Automarke mit Vergangenheit sozusagen.

Beim Sonntag Exaudi geht es ebenfalls um einen Übergang: Altes ist vorüber; aber das Neue ist noch nicht ganz da. Apropos Altes und Vergangenes – und Begeisterung (so kurz vor Pfingsten): Am kommenden Montag hat ein Musiker Geburtstag, den, glaube ich, jeder kennt: Als ich ein Kind war, wollte er mit einem Sonderzug nach Pankow fahren und mit Erich Honecker einen Cognac trinken; mit Kindern zusammen fragte er sich, wozu eigentlich Kriege gut sein sollen und zuletzt begeisterte er sein Publikum mit einem Lied das im Titel das aussagte, was dieser Musiker immer schon praktiziert hatte: „Ich mach mein Ding …“ – Richtig: Die Rede ist von Udo Lindenberg – am Montag wird er ernsthaft schon 75 Jahre alt. Dass er bis heute die Leute zu begeistern vermag, konnte ich vor kurzem nochmal sehen: Bei einer Wiederholung seines Konzerts zu seinem 70. Geburtstag in Leipzig. Seine Anhänger waren begeistert.

Ich denke, dass Jesus seine Anhänger ebenso begeistert hat, wie das heute berühmte Persönlichkeiten tun. Heute, am Sonntag Exaudi geht es darum, dass die Begeisterung erst einmal abebbt: Denn Jesus ist nicht mehr da. Nach Himmelfahrt ist er endgültig nicht mehr zu sehen, nicht mehr zu greifen und keiner kann ihn mehr berühren. Aber wie am Ende eines Konzerts gibt es auch hier einen Übergang – einen Übergang von einer Vergangenheit in eine neue, noch strahlendere Zukunft: Jesus ist zwar nicht mehr da – aber sein Geist, seine Liebe und sein „Spirit“ bleiben. So wie man ja noch lange vom Erleben eines besonderen Moments zehren kann. Ja, Geist Gottes bleibt überall dort gegenwärtig, wo Menschen sich im Namen Jesu versammeln; wo sie im Sinne Jesu handeln und in seinem Geist mit Gottes Nähe und mit seinem Segen rechnen. Da zehren wir bis heute von der Lichtgestalt Jesu.

Für die Freundinnen und Freunde Jesu wird das nach Himmelfahrt erst einmal schwer zu verstehen gewesen sein. Und so entspricht die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in gewisser Weise auch einer Trauerphase. Nicht ganz so furchtbar wie damals nach Karfreitag; aber schlimm genug. Jesu Anhänger mussten sich damit abfinden, dass er nicht mehr greifbar; nicht mehr verfügbar war. Dabei hatte Jesus seine Jüngerinnen und Jünger ja darauf vorbereitet, dass er früher oder später für immer gehen muss. Aber er hatte ihnen versprochen, ihnen seinen Geist zu senden. Aber noch war dieser Geist nicht da. So lesen wir im Johannesevangelium (Joh 7,37-39): Am letzten Tag, dem Höhepunkt der Festwoche, trat Jesus wieder vor die Menschenmenge und rief laut: »Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken! Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von seinem Inneren wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom.« Damit meinte er den Heiligen Geist, den alle bekommen würden, die an Jesus glauben. Den Geist bekamen sie erst, nachdem Jesus in Gottes Herrlichkeit zurückgekehrt war.

Wasser des Lebens! Jesus redet hier davon, dass jeder, der ihm folgt, wie eine Quelle ist. Wie eine Leben spendende Quelle, die nicht aufhört zu sprudeln. Denn wer Jesus folgt, ist mit der Lebensenergie Gottes direkt verbunden – und seine Kraftquellen versiegen nicht!

Haben Sie sich schon einmal eine Quelle angesehen? Oft sind diese unscheinbaren Anfangspunkte eines Baches oder eines Flusses ja in unseren Breiten eingefasst wie ein Brunnen. Mit schönen Steinen gesetzt und oft mit einem Extra- Ausfluss versehen; so dass man meinen könnte, dass dahinter eine Rohrleitung verborgen sein muss – so wie wir das aus unseren Häusern kennen. Beeindruckender sind da natürlich größere, ergiebigere Quellen, die noch Natur belassen sind. Ich kann mich da an eine Quelle im Harz erinnern – die Salzaquelle – die mit mehreren Metern Durchmesser quasi aus dem Nichts heraus Unmengen von Wasser ans Tageslicht fördert. Das war für mich als Heranwachsenden ein echter Hingucker: Unaufhörlich fördert diese Quelle Wassermassen hervor – und für unsere Blicke ist nicht wirklich erkennbar, wo das ganze Wasser plötzlich herkommt.                                                               

In diesen wunderbaren Frühlingstagen haben wir ja eine Ahnung davon, wie wichtig Wasser ist – für die Pflanzen, für die Tiere – aber natürlich auch für uns Menschen! Seitdem wir in den vergangenen Jahren viel zu wenig Regen abbekommen haben, wissen wir es nur zu gut: Wasser ist Leben! Ohne ausreichenden, belebenden Nachschub an lebendigem Wasser können wir nicht leben!

Jesus macht sich also quasi selbst zur Quelle des Lebens. Wir hören es förmlich, wie Jesus spricht: „Ich bin das Wasser des Lebens!“ (Auch wenn er das hier nicht in einem seiner berühmten „Ich bin“ – Worte genauso sagt!) Dabei nimmt Jesus alte prophetische Bilder von paradiesischen Gärten auf (vgl. Jes 58). Gleichzeitig fühlt man sich als Leser des Johannesevangeliums an die Geschichte von Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen erinnert (Joh 4). Dort redet Jesus ja davon, dass derjenige, der vom lebendigen Wasser trinkt, niemals mehr Durst haben wird. Auch da begegnet uns Jesus sozusagen als Quelle des Lebens; als eine Lebensenergie, die das Zeug dazu hat, Lebenshunger und Lebensdurst zu stillen. Wer also bei Jesus bleibt, der bleibt an der Quelle. Und das Leben kann so wachsen und gedeihen, wie wir das in diesen Tagen überall in der Natur erleben. Denn Jesus ist das Wasser des Lebens!

Gebet: Jesus, du lebendiges Wasser, du Quelle des Lebens. Wir kommen zu dir und wollen vom Lebensquell schöpfen, unseren Lebensdurst stillen und unser Leben genießen. Die Natur zeigt uns in diesen Tagen, wie viel Kraft Wasser schenken kann. Jesus, wir danken dir, für alle Kraft und Energie, die du uns schenkst. Sei auch in diesen Tagen bei uns, wenn uns manchmal die Kraft ausgehen will, wenn wir an Einsamkeit, an Kontaktmangel und anderen Problemen zu verzweifeln drohen. Führe uns zu dir, zur Quelle des Lebens und gib uns Kraft für unseren Alltag. Amen. Vater unser im Himmel …

Segen: Und so segne und behüte uns Gott, der Vater, der uns seinen Sohn gesandt hat, es segne uns der Sohn, das Wasser des Lebens und es segne uns der Heilige Geist, der uns mit seiner göttlichen Energie begeistert. Amen.

Einen gesegneten Sonntag Exaudi wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Andreas H. Pfautsch

Weitere Andachten finden Sie in der MEDIATHEK


Aktuelle Termine


Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 16. Mai 2021

Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Psalm 90,10

Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort. 2. Thessalonicher 2,16-17