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Gott ist ein Rettungsanker

8. Sonntag nach Trinitatis – 25.07.2021

Unvorstellbar, was in den Hochwassergebieten so vor sich gegangen ist. Welch unglaubliche Wucht und Kraft die Wassermassen entwickelt haben. Und mit welcher Geschwindigkeit die Pegelstände ins unermessliche stiegen – und das sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe noch die Worte eines Metereologen im Ohr: „Die bisherigen Höchststände wurden geradezu pulverisiert!“ Lagen diese bisher beispielsweise bei 3 Meter – so waren es jetzt 8 Meter. Das entspricht 2,5 Stockwerken mehr! Wer hätte sich so etwas vorstellen können? Und wer hatte dafür schon einen „Masterplan“ in der Schublade!?

Jetzt stehen die Leute vor und neben den Trümmern ihrer Existenz. Froh, zumindest das Leben gerettet zu haben. Denn fast jeder in so einem zerstörten Ort kennt auch jemanden, der es nicht überlebt hat. Andererseits völlig geschockt und fassungslos, was da alles kapuut gegangen ist. Gott sei Dank kommt auch die Hilfswelle ins Rollen. So sehr, dass es kaum noch Lagerkapazitäten für Sachspenden zu geben scheint. Am sinnvollsten scheint derzeit die ganz praktische Hilfe zu sein: Ärmel hochkrempeln und den Schlamm rausbringen; die unbrauchbaren Möbel entsorgen usw.

Bei all dem Schlamm, Dreck und Wasser musste ich an einen Psalm denken, der mir noch vom Elbehochwasser 2002 in Erinnerung ist. Damals war ich noch Pfarrer in Dessau. Die Feuerwehrleute hatten uns als Pfarrer als Notfallseelsorger angefragt und so saß ich mit Pfälzer Feuerwehrleuten aus Ludwigshafen in einem Einsatzleiter- Kleinbus an der Schranke zu einem überfluteten Ortsteil Dessaus und sollte mithelfen, den Einwohnern zu erklären, dass sie jetzt nicht zu ihren Häusern können. Ölfilme schwammen auf den Wassermassen und jede Bewegung würde den Schaden nur noch schlimmer machen. Da gab es kein Durchkommen. Es gibt einfachere Aufgaben. Wichtig war sie allemal. Aber das Gefühl der Ohnmacht ist mir wohl vertraut. Aber die Worte des 69. Psalm konnten eine Hilfe sein. Sie schienen und scheinen geradezu für solche Momente geschrieben worden zu sein:

Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;

Ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

Ich habe mich müde geschrieen, mein Hals ist heiser.

Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;

Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke,

dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,

und aus den tiefen Wassern;

dass mich die Flut nicht ersäufe und die Tiefe nicht verschlinge

und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.

Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich;

wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit

und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knechte,

denn mir ist angst; erhöre mich eilends.

Nahe dich zu meiner Seele und erlöse sie,

Gott, deine Hilfe schütze mich!

Liebe Leserinnen und Leser!                                             
(Psalm 69 nach Evang. Gesangbuch Nr. 739)

Der Psalmbeter weiß, wer in einer solchen Situation helfen kann. Oder er ahnt und hofft es zumindest. Er wendet sich in seiner Not an Gott und hängt sich ihm sozusagen um den Hals und schreit flehentlich: „Herr, hilf mir!

Auch in diesen Tagen haben erstaunlich viele Menschen hinterher berichtet, dass sie in ihrer Not zu Gott geschrieen haben. Um Hilfe, um göttlichen Beistand und um Rettung. Besonders eindrücklich fand ich die Worte eines Baggerführers. Er hatte unter Lebensgefahr dafür gesorgt, dass die Steinbachtalsperre nicht brach. Dort war ein Ablaufrohr verstopft, so dass das Wasser nicht abgelassen werden konnte. Der offensichtlich gläubige Christ aber meinte: „Ich habe zu Gott gebetet, dass er mir beistehen möge und habe das meine dazu beigetragen, dass das Wasser wieder ablaufen konnte.“ Dabei lag sein „Arbeitsplatz“ direkt unterhalb der Staumauer, die bereits erhebliche Schadensspuren zeigte und die jederzeit brechen konnte.

Dieser mutige Mann hatte nicht lange gefragt, ob das jetzt sicher sei und wer denn jetzt schuld habe an dem vielen Wasser. Er setzte sich einfach in seinen Bagger und tat, was er seiner Meinung nach tun musste. Als Held wollte er danach nicht bezeichnet werden. Dazu gehört sicher Mut – und Gottvertrauen. Und davon eine ganze Menge!

Bei allem Nachdenken über die Ursachen dieser unglaublichen Katastrophe, bei aller Bestürzung über die Kraft des vielen Wassers und bei allen Fragen, die sich daraus auch für die Zukunft stellen, bin ich doch auch dankbar. Dankbar für die große Welle an Hilfsbereitschaft, an echtem, vielfach gezeigten Mitgefühl. Ich bin dankbar für die vielen Helferinnen und Helfer und auch dafür, dass wir alles, aber wirklich alles immer wieder auch bei Gott abladen dürfen: Unsere Angst, unseren Müll, unseren Schlamm und Morast genauso wie unsere Freude, unseren Jubel und unsere Hoffnung. Und so wie es der Psalmbeter sagt, will ich es auch tun: Selbst wenn mir das Wasser schon bis zur Kehle geht, will ich Gott noch um Hilfe anrufen. Denn Gott ist und bleibt mein Rettungsanker!

Gebet: Gott, wir sind bestürzt, was Wassermassen alles anrichten können. Unsere Gedanken sind bei all den Menschen, die fast alles verloren haben, vielleicht sogar geliebte Angehörige. Gib Ihnen Kraft und Stärke das alles zu verkraften und viele helfende Hände. Vater unser …

Segen: Es segne uns der dreieinige Gott, der mitgehende Vater, der Sohn, der bei uns bleibt und der Heilige Geist, der unser Tun bestärkt. Amen.

Spenden: Sie möchten mithelfen? Gern über unser Pfarramt oder über folgendes Konto:

Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL
IBAN: DE79 3506 0190 1014 1550 20  - BIC: GENODED1DKD 

Stichwort: Hochwasser-Hilfe

Weitere Andachten finden Sie in der MEDIATHEK


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Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Sonntag, 25. Juli 2021

Helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht. Psalm 82,3

Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 1. Johannes 3,18